
Leitung: Marie-Luise Geiß, Dipl. Kunsttherapeutin FH
Die Haptik ist ein Feld der leiblichen Verwirklichung, der Sinnesentfaltung und des Handlungsaufbaues
Das haptische Geschehen ist die primäre Grundlage allen Handelns, Kontaktes und aller Beziehung in Prozessen einer Arbeit am Tonfeld. Haptische Vollzüge repräsentieren leibliche, emotionale und soziale Bezüge, die am Tonfeld gewissermaßen zur (haptischen) Sprache kommen. Die Haptik macht die Arbeit am Tonfeld® in ihrer Essenz aus.
Es geht in allen Arbeiten, der von Kindern wie der von Erwachsenen darum, diese Sprache grundlegend sehen zu lernen und in ihrem gesamten sensomotorischen und psychomotorischen Spektrum zu verstehen.
Als begleitender Mensch die haptische Sprache zu erfassen, fordert die Fähigkeit heraus, ein haptisches Geschehen aus mehreren Blickwinkeln zu erfassen.
1. - Zunächst gilt es, die haptische Sprache als eigene Umgangsform und
Ausdrucksgestalt der Hände mit jeglichem Gegenstand (hier exemplarisch dem
Tonfeld) zu sehen und in ihrer Gliederung und in ihrem inneren Aufbau zu verstehen.
2. - Die Haptik und Haptischer Sinn sind besondere leibliche Gestaltungen in senso- motorischem Aufbau; sie sind in diesen Aufbau eingegliedert und in dessen Zusammenhang zu erfassen.
3. - In der Haptik sind soziale Erfahrungen und emotionale Erlebnisse eines
Menschen gleichsam „eingeschrieben“. Haptik vermittelt Bedürfnisse und
Entwicklungsimpulse zugleich aber auch Hemmungen und Verhinderungen,
die im sozialen Beziehungsfeld erworben wurden. Dieses Spektrum der
Ausdruckkraft der Haptik gilt es zu lesen und begleitend in seiner Entfaltung
zu stärken.
Im Zentrum stehen der Aufbau und die Entfaltung der haptischen Sprache, wie sie im Arbeiten am Tonfeld erscheint und sich in tätiger Bewegung ausbildet. Die Einsicht in diesen Aufbau wird durch Übungen in eigener Praxis und durch dokumentierte Prozesse erworben.
Der Grundkurs zeigt zudem den Zusammenhang des Konzeptes der Arbeit am Tonfeld® mit anderen Entwicklungstheorien (s. u.), die zum breiteren Verständnis der haptischen Sprache und ihrer sozialen Eingliederung und Selbstwahrnehmung dienlich sind.
Einführung in die Entwicklung und die theoretischen Grundlagen der AaT
Haptik und Haptischer Sinn: das anthropologische Vermögen, die Fähigkeit und die
Handlungsentwicklung der Hände und ihre Eingliederung
Rekonstruktionen der Handentfaltung in den Basissinnen
und ihrer Repräsentation am Tonfeld:
Orientierung – Erwerb gegenseitiger Beziehung und Vertrauen
Haptische Entfaltung in den Basissinnen
Hautsinn: Berührungssinn, Halt in der Selbstempfindung, Kontakt,
Erwerb von Verlässlichkeit, Bindung und Lösung
Gleichgewicht: Integration von eigenleiblicher Balance, Ausgleich mit
einem Gegenüber, Ausgleich von äußeren Polaritäten
und Bezügen.
Tiefensensibilität: strukturelle leibliche Festigkeit, Substanzerleben am
Gegenstand und im Leib. Intention, vitaler Halt am Objekt
Greifen: vom Greifen zum Ergreifen und Begreifen,
Auseinandersetzung mit dem Objekt, Erwerb des Objekts
Wirksamkeit und Kompetenzerleben, Objektkonstanz.
Aufrichten im eigenen Leib, Stellungserleben,
Stadien der haptischen Organisation in Gegenseitigkeit, Verlässlichkeit, Kompetenz,
Position, Souveränität und Selbstgründung.
Die Rolle und Funktion der Begleitung bezogen auf die Stadien haptischer Entfaltung
Leibliche Resonanzfähigkeit im Begleiten von nonverbalen, leiblichen und
haptischen Prozessen.
Haptische Beziehungsentfaltung und Handlungsaufbau
Soziale Eingliederung mittels haptischer Prozesse und persönliche Bewusstheit im eigenem, haptisch geführten und leiblich gegründeten Handeln sind Gegenstand der jeweiligen, folgenden Aufbaukurse.
Die Fortbildung bezieht die folgenden Modelle haptisch-sensomotorischer, emotionaler, psycho-sozialer, kognitiver menschlicher Entwicklung in den grundlegenden Aufbau des haptischen Potentials ein.
1. - Aufbau von Handlungserfahrung, Handlungswirkung, Handlungsgestaltung;
Phänomene der Handlungs- und Beziehungsorganisation, Strukturen haptischer Entfaltung und haptischer Bezüge in der AaT.
Das von Prof. H. Deuser entwickelte Strukturmodell Arbeit am Tonfeld ®
bildet die systematische Grundlage der gesamten Fortbildung
2. - Theorie zur Einheit von Bewegung und Wahrnehmung „Der Gestaltkreis“
(V. v. Weizsäcker)
3. - Stadien emotionaler Beziehungsentfaltung ; Bindung und Grundvertrauen
(D. W. Winnicott, J. Bowlby)
4. - Das Modell geistiger Entwicklung (J. Piaget) und Stadien psychosozialer Entwicklung (E. Erikson)
5. - Handlungsentwicklung und Bildrepräsentation, Bewegungsgestalten und
Wahrnehmungsgestalten (H. Bachmann, E. Neumann, N. Bischoff)
6. - Sensomotorische Integration (J. Ayres) und Psychomotorik (R. Zimmer,
B. Aucouturier)
7. - Begleitung in gelebten Beispielen (A. Bernhard Hegelin, E.Wellendorf)
Grundkurs Teil I :
Haptik und haptischer Sinn - das grundlegende Phänomen der AaT
Dieser Grundkurs gilt für beide Zielgruppen
Leitung: Marie-Luise Geiß, Dipl. Kunsttherapeutin FH
Beginn: Herbst 2012 in Lüneburg
Grundkurs Teil I umfasst :
6 Wochenendseminare
1 vier-Tage Seminar: Gastreferentin Hermine Haase, somatic experiencing®
1 Seminar zur Vertiefung und Supervision bei Prof. Heinz Deuser, Hinterzarten
Termin und Inhalte nach Wahl aus dem Programm des Instituts Hinterzarten
Themenkreise und Realisationen im Handlungsprozess und Beziehungsaufbau von Kindern und Jugendlichen in der AaT
Leitung: Marie-Luise Geiß, Dipl. Kunsttherapeutin FH
Grundlegend geht es hier um den Handlungsaufbau, eingebettet in soziale und emotionale Beziehungsentwicklung.
Die Haptik, als leibliche Sprache speichert, erinnert und bringt zum Ausdruck, was in sozialen Beziehungen erlebt wurde, was sich als Erfahrungen leiblich niedergeschlagen hat, was im Leibgedächtnis aufbewahrt wurde. Sie „berichtet“ gleichsam von sozialen Erfahrungen aus verschiedenen Altersphasen, von Förderungen und Hemmungen, von erfüllten Beziehungen und von sozialen Vernachlässigungen, von Bedürfnissen und Wünschen, Intentionen und Fähigkeiten. So gelesen kann die Haptik ein Instrument sozialer Diagnostik werden.
Der Handlungsaufbau signalisiert aber vor allem Entwicklungsbedürfnisse und Möglichkeiten der eigenen Verwirklichung.
Ausbildungsinhalte:
Handlungsaufbau und Handlungsgestaltung in haptischen Prozessen:
Als grundlegendes Erleben und Fähigkeit zum gestalteten Kontakt
Als Fähigkeit, in Handlungen Bezüge herzustellen und eigene Wirksamkeit zu
entwickeln
Als Auseinandersetzung mit einem Objekt, Objektkonstanz und Kompetenzerwerb
Als Handlungsgestaltung und soziale Einbindung in Handlungsentwürfen.
Bedürfnisanalyse und Entwicklungsanspruch aus der haptischen Diagnostik
Die Rolle der Begleitung und ihre Funktion in der Entwicklungsförderung
Interventionen der Begleitung und ihre Wirkung in der AaT mit Kindern und Jugendlichen;
Unterschiede der Themen und der Begleitung bei Kindern und bei Jugendlichen
Stadien der kindlichen Entwicklung und die Funktion der Eltern in der Entwicklungsförderung:
Kleinkind, frühes Schulalter, Pubertät und Adoleszenz, ihre Entwicklungsaufgabe und deren Repräsentation in Handlungsprozessen am Tonfeld:
Handlungsgestaltung in Bezügen und Wirkungen; Gestaltungen und Entwicklungsmöglichkeiten
Zusammenhang von Aktion, Wirkung, Verantwortung: Erscheinungsweisen am Tonfeld; Schuldempfinden und Scham als Entwicklungsantrieb zur ICH-Bildung
Aggression als Vitalität und Aggression als antisoziale Tendenz –
Repräsentationen in der AaT
Themenkreise und Realisationen im Handlungsprozess und Beziehungsaufbau von Kindern und Jugendlichen.
Grundkurs Teil II umfasst :
6 Wochenendseminare
1 vier-Tage Seminar
Termine 2013 noch offen
1 Seminar zur Vertiefung und Supervision bei Prof. Heinz Deuser, Hinterzarten
Termin und Inhalte nach Wahl aus dem Programm des Instituts Hinterzarten
Inhalte: Anerkennungsjahr
1. - Im Anerkennungsjahr sind 20 Supervisionseinheiten (1,5 Stunden pro Einheit)
verpflichtend. In diesen Einheiten soll die Begleitung von mindestens zehn
verschiedenen Personen am Tonfeld vorgestellt werden.
2. - Zwei Seminare des Instituts zur Ergänzung und Vertiefung entsprechend den
Inhalten der jeweiligen Aufbaukurse
3. - Schriftliche Abschlussarbeit:
4. - Erwerb des Zertifikats
Das Anerkennungsjahr umfasst:
2 Wochenendseminare
Supervision
schriftliche Abschlussarbeit
Erwerb des Zertifikats.